Damals – Heute

Hier sehen Sie einige bekannte Plätze und Orte von Bensheim jeweils in der Gegenüberstellung neuer und alter Bilder:

Wer heute vom Rinnentor durch den Verbindungsweg und einen kleinen Innenhof zur Kellereigasse geht, ahnt nicht, dass hier einmal der Bollerhof war. Im Rahmen der Altstadtsanierung wurde er in den 1980er Jahren abgerissen, um Platz für modernes Wohnen mit Tiefgarage zu schaffen. Für ältere Bensheimer Bürger ist der Bollerhof noch immer ein Begriff. Es war der Überbegriff nicht nur für ein Anwesen, sondern ein kleines Viertel mit mehreren Häusern, die auf engstem Raum gebaut wurden.

Hier wohnte zum Beispiel Landwirt und Fuhrmann Johann Krämer: Auf einer Grundfläche von 80 Quadratmeter waren ein Stall für zwei Pferde und zwei Rinder, Scheune, Wohn- und Schlafzimmer. Die Stockwerkhöhe betrug 1,80 Meter und unter dem Giebel des Dachs wohnten die Kinder. Der Mistplatz war vor dem Haus. Dort stand auch das Fuhrwerk. Für den Bau des Hemsbergturmes (1901/02) hatte Johann Krämer mit diesem Fuhrwerk Baumaterial gefahren und das Wasser dazu vom Hospitalbrunnen geholt. In einem anderen Haus wohnte der Taglöhner und Laternenanzünder Konrad Schmitt.

Der eigentliche Bollerhof lag hinter einem fränkischen Torbogen und gehörte einst dem Landwirt Philipp Borgenheimer. Die Wohnungen im Bollerhof wurden meist an kinderreiche Familien vermietet. Zeitweise hatten hier 30 bis 35 Kinder ihr Zuhause. Im Jahre 1910 erwarb Philipp Hillenbrand den Bollerhof. Er betrieb eine Landwirtschaft mit Fuhrunternehmung. Sein Sohn Valentin eröffnete dann im Bollerhof eine Heckenwirtschaft. Hier trafen sich die Bensheimer „Kernbäjer“, für die der Bollerhof ein beliebter Treff war. Nachdem Philipp Hillenbrand im Jahre 1967 Witwer geworden war und 1972 seine Schwester – die „Bollerhof-Marie“ – verstarb, wurde es ruhig im Bollerhof  (Altes Bild: Dieter Blüm, 1982; neues Bild: Thomas Neu, 2024; Text: Thomas Neu, 07.2.2024).

Der Blick geht von der Bahnhofsstraße aus in den Osten und zeigt auf der rechten Seite an der Ecke zur Promenadenstraße den „Germaniahof“. Die Gaststätte gab es seit 1891. Sie erhielt ihren Namen nach dem in der Anlage errichteten Kriegerdenkmal. Die erste Konzession erhielt damals der Küfermeister Franz Becker. Im Jahre 1953 erwarben die Eheleute Heinrich und Rosina Lang den „Germaniahof“ und sanierten die Gaststätte grundlegend. Bevor die traditionsreiche Lokalität im Jahre 1997 abgerissen wurde, war sie von 1985 bis 1995 als „Mc Slobos“ eine Bensheimer „Kultkneipe“ unter der Federführung von Wolfgang „Mac“ Otto und „Slobo“ (Altes Bild: Foto van Bosch um 1960; neues Bild: Thomas Neu, 2024; Text: Thomas Neu, 09.1.2024).
Die beiden Häuser Hauptstraße 55 und 57 in Bensheim fielen der Abrissbirne zum Opfer: Wir betrachten das heutige Haus Hauptstraße 55. Dort standen früher zwei Häuser wie das historische Bild zeigt. Nicht der Krieg zerstörte die beiden Gebäude, sie fielen der Abrissbirne zum Opfer. Der Zeitgeist war gegen den Erhalt des „alten Gelerschs“. Statt Fachwerkidyll setzte man auf den „Zauber“ der rohen Architektur mit Beton als sichtbares Baumaterial. „Brutalismus“ ist der Name des Architekturstils, bei dem der Beton als Baumaterial im Vordergrund steht. Dabei kommt der Begriff wie beim deutschen Wort „brutal“ von dem französischen Begriff „béton brut“, was roher Beton bedeutet. Die Edelstahlhandläufe an den Balkonen lockern das Fassadenbild auf. (Text: Thomas Neu, 22.11.2023, altes Foto: 1959 Erich Neumann, Archiv der Stadt Bensheim; neues Foto: Thomas Neu, 2023).
Die Augartenstraße mit dem Lauf der Lauter ist eine etwas abgelegene Straße, die dennoch nicht allzuweit vom Bensheimer Zentrum entfernt ist.Hinter der Alten Gerberei, in der derzeit das ehemalige Varieté Pegasus schlummert, biegt man von der Platanenallee kommend in die Augartenstraße ab und kann dann entlang der Lauter in die Bleiche laufen. Man durchquert die Landhaussiedlung, die Heinrich Metzendorf für den Fabrikanten Heinrich Klein baute. Aber heute soll es allein um die Augartenstraße gehen. Unser historisches Bild wurde um das Jahr 1900 fotografiert und zeigt die Straße noch als Feldweg.  An der Südseite standen noch keine Häuser. Man sieht auf dem Foto die Trockenscheuern der Gerberei Müller. Dahinter ragt die Spitze des Hohbergturms hervor (Text: Thomas Neu, 13.9.2023, neues Foto: Thomas Neu, 2023).
Bensheims nördliche Hauptstraße, als sie noch Auerbacher Straße hieß. So wie die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg die Zeit, wann das alte Bild aufgenommen wurde eingrenzt, so ist es ein Detail im Hintergrund, das eindeutig festlegt, dass dieses Bild vor 1923 entstand. Architekt Heinrich Metzendorf ließ das Fachwerk am Haus Fleck (Hauptstraße 48) im Jahre 1923 freilegen, hier ist es noch verputzt zu sehen. Außerdem ist auch die Kleidung der abgebildeten Personen ein Indiz dafür, dass das Foto eher im ersten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts aufgenommen wurde.Das Haus Hauptstraße 20, das so markant an der Ecke zur Obergasse stand, hatte Robert Obst im Jahre 1902 erworben. Dass er in einer Zeitungsanzeige seine Kundschaft über den Umzug in sein neues Haus Auerbacherstraße 25 informierte, ist zunächst verwirrend. Aber für die Zeit zwischen 1837 und 1902 hatte der nördliche Teil der Hauptstraße „Auerbacher Straße“ geheißen und der südliche Teil ab dem Marktplatz „Heppenheimer Straße“. Auf der Fassade warb Robert Obst mit großen Lettern für seine Papierhandlung mit Buchbinderei und das Einrahmen von Bildern. Außerdem bot er seiner Kundschaft alles rund ums Büro an – von der Einrichtung bis zu allen nötigen Verbrauchsmaterialien.Ein weiteres schönes Detail auf dem alten Foto ist der Herrgottsbrunnen vor dem Geschäftshaus. Er ist auf einem Foto nach der Bombardierung am 26. März 1945 noch zu sehen und wurde später entfernt. Einige Meter davon steht seit dem Jahr 1972 der vom Künstler Friedrich Höfer gestaltete Nibelungenbrunnen  (Text: Thomas Neu, 16.8.2023, altes Foto: Archiv der Stadt Bensheim; neues Foto: Thomas Neu, 2023).
Oft fotografiert wird das Rinnentor, oder – besser gesagt – der erhaltene Turm des einstigen Stadttores. Dabei handelt es sich um eines der bekanntesten historischen Gebäude der Stadt. Das alte Schwarzweißfoto zeigt die Brot- und Feinbäckerei Emil Kienzle neben dem Rinnentorturm. Im flachen Anbau war der Kühlraum eines Bensheimer Getränkehändlers. Nach der Bäckerei Kienzle nutzte ein Reisebüro die Räume für sein Geschäft. Im Jahre 1979 wurde der Gebäudekomplex abgerissen.Wer heute die Brücke über den Winkelbach geht, kann sich kaum vorstellen, wie Bensheim einmal aussah, bevor in den 1970er Jahren die Altstadt großflächig saniert wurde und viele historische Gebäude verschwanden  (Text: Thomas Neu, 21.6.2023, altes Foto: Sammlung Ferdinand Woißyk, 1952; neues Foto: Thomas Neu, 2023).
Autos statt Tische am Hospitalbrunnen in Bensheim: Wo heute Fußgängerzone ist, parken auf der alten Ansicht drei wunderschöne Fahrzeuge. Klar zu erkennen ist ein Opel Kadett, ein VW-Typ 3 auf der linken Seite. Das rechte Auto könnte ein Opel Rekord sein. Wo heute die Tische und Stühle der Straßencafés und Restaurants auf Gäste warten fuhren in den 1960er Jahren die Autos durch die Innenstadt (Text: Thomas Neu, 7.6.2023, altes Foto: privat; neues Foto: Thomas Neu, 2023).
Militärparade auf dem Ritterplatz in Bensheim. Im Jahre 1916 hat ein uns unbekannter Fotograf eine Militärparade für die Nachwelt festgehalten und beschriftet. Und so wissen wir, dass – von einem Spielmannszug angeführt – die Soldaten des Leibgarde-Regiments 115 mit dem Hauptmann Löslein an einer am Straßenrand stehenden Menschenmenge vorbeimarschieren. Zahlreiche Kinder sind zu sehen, die vor und neben dem Militärzug herlaufen.Wir wissen nicht, ob sich die Soldaten mit Pickelhaube und geschulterten Gewehren auf dem Weg zum Bahnhof befinden und damit geradewegs in die schrecklichen und so verlustreichen Kämpfe in Verdun und an der Somme im Jahre 1916. Historisch belegt ist jedoch, dass während des Ersten Weltkrieges Soldaten des Infanterie-Regiments 115 an der Westfront in diesen Frontabschnitten eingesetzt wurden.Da es während des Ersten Weltkrieges in Bensheim einige Lazarette, aber keine Kasernen gab, sind die Soldaten vielleicht nach ihrer Genesung auf dem Weg zurück an die Front. Einige der Frauen auf dem Bild scheinen Krankenschwestern zu sein. Da die Soldaten auf der Nibelungenstraße in Richtung Westen unterwegs sind, könnten sie im Lazarett Falkenhof gewesen sein, aber auch das ist Spekulation (Text: Thomas Neu, 10.5.2023, altes Foto: von 1916, Bestand Stadtarchiv Bensheim; neues Foto: Thomas Neu, 2023).
Parkanlagen mussten dem Verkehr weichen: Die Rodensteinstraße in Bensheim im Wandel der Zeit. Das alte Bild zeigt die ehemalige Parkanlage an der Rodensteinstraße. Entstanden ist das Foto vor dem Jahr 1967, da man noch gut den Wasserturm am Bahnhof erkennen kann, der in genau diesem Jahr abgerissen worden ist. Der Blick auf die fast leeren Straßen und die Parkanlage macht den gravierenden Unterschied zur heutigen Verkehrsachse deutlich. (Text: Thomas Neu, 3.5.2023, altes Foto: Postkarte, Sammlung Peter Hillenbrand, vor 1967; neues Foto: Thomas Neu, 2023).
Wer heute vom Parkdeck in der Fehlheimer Straße nach Westen schaut, der blickt auf das Rodensteinzentrum. Als der Fotograf unseres heutigen historischen Fotos an gleicher Stelle auf den Auslöser seiner Kamera drückte, hielt er ein Stück Bensheimer Firmengeschichte für die Nachwelt fest: die Bekleidungsfabrik Schildmann, die im Jahr 1979 Konkurs anmeldete.Die Firmengeschichte beginnt, als 1836 der aus Offenbach kommende Kaufmann Manasses Thalheimer in der Hauptstraße 51 ein Textilgeschäft eröffnete, das von seiner Ehefrau Cäcilie unter dem Namen „C. Thalheimer“ weitergeführt, im Jahr 1860 von Sohn Hermann übernommen und zu einem renommierten Geschäft ausgebaut wurde. Der Wandel vom reinen Stoffhandel zum Hersteller von Mützen brachte enormes Wachstum. Es war die nächste Generation der Familie Thalheimer, die mit dem Entschluss, Grundstücke an der Fehlheimer Straße zu kaufen und den Architekten Heinrich Metzendorf mit dem Bau eines Fabrikgebäudes zu beauftragen, den Grundstock für die weitere Erfolgsgeschichte legte.Durch Heirat in die Familie Thalheimer traten 1924/25 die Brüder Marx in die Firma von Max Thalheimer ein, die ihrerseits ebenfalls eine Bekleidungsfabrik auf dem Nachbargrundstück besaßen, die sich im Jahre 1923 mit der Mützenfabrik Thalheimer zur Firma Bekleidungswerke AG Bensheim zusammenschloss. Die Erfolgsgeschichte der Familie Thalheimer und Marx endete, als die Firmeninhaber wegen ihres jüdischen Glaubens vom NS-Regime im Jahre 1937 im Rahmen der „Arisierung“ zwangsenteignet wurden. Nach der Zerschlagung der Firma übernahm H. Schildmann die Kleiderfabrik und die Mützenfabrik der frühere Prokurist Johann Rittersberger (Text: Thomas Neu, 26.4.2023, altes Foto: Hans Rettig; neues Foto: Thomas Neu, 2023).
Veränderungen in der Ortsmitte von Schönberg. Die historische Postkarte aus dem Jahre 1905 zeigt Schönberg als dörfliches Idyll. Im Mittelpunkt sieht man den „Hannewalds-Brunnen“, einer der bedeutenden Wasserspender dieser Zeit. In dem Jahre 2003 erschienenen Festbuch „700 Jahre Schönberg – Dorf und Residenz im Odenwald“ von Manfred Schaarschmidt und Lupold von Lehsten kann man erfahren, dass der Brunnen sein Wasser aus einer Felsquellenkammer am Alten Schlossweg bezog. Dieses wurde über ein Privatgrundstück und unter der Straße hindurch geleitetet.Beim Bau der Kanalisation wurde der die Zulaufleitung des Brunnens durch Baggerarbeiten beschädigt. Da sie ohnehin marode war, wurde sie nicht repariert. Einige Jahre stand der Brunnen trocken und wurde dann endgültig beim Straßenausbau und der damit einhergehenden Verdolung der Lauter beseitigt (Text: Thomas Neu, 29.3.2023, altes Foto: Postkarte von 1905, Sammlung  F. Woißyk; neues Foto: Thomas Neu, 2023).
Das historische Bild zeigt die Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Ende der 1950er Jahre in der Bahnhofsstraße. An dieser Stelle stand zuvor an der Ecke Rodensteinstraße/Bahnhofstraße das im Jahre 1867 erbaute Kreisamtsgebäude.Da Bensheim im Jahre 1938 seinen Status als Kreisstadt verloren hatte, konnte die Sparkasse 1949 das Gebäude kaufen, es 1954 zu einer zeitgemäßen Hauptgeschäftsstelle umbauen und in Richtung Bahnhofstraße vergrößern. In den 1970er Jahren wurde das Gebäude dann abgerissen und ein neues, dem Zeitgeist entsprechendes Hauptverwaltungsgebäude gebaut, das im Jahre 2001 wiederum entkernt und modernisiert wurde. In den 2020er Jahren steht die nächste Modernisierung an, die Bauzäune sind auf dem aktuellen Bild zu erkennen (Text: Thomas Neu, 22.2.2023, altes Foto: ?; neues Foto: Thomas Neu, 2023).
Die Bensheimer Hauptstraße in den 1950er Jahren und heute: Die Bilder zeigen den Blick vom Hospitalbrunnen in der Hauptstraße mit Blickrichtung Norden. Im Hintergrund sind die Türme der Pfarrkirche Sankt Georg zu sehen.Während man auf der historischen Aufnahme nicht nur die Türme erkennen kann, sondern auch das große Fenster an der Front, ist dieser Blick heute durch Bäume verdeckt. (Text: Thomas Neu, 15.2.2023; altes Bild: Broschüre „Stadtspiegel Bensheim“ 1950er Jahre; neues Bild: Thomas Neu)
Siedlungsbau im Bensheimer Westen: Im Jahre 1932 hatte das Bensheimer Stadtparlament beschlossen, südlich der Schwanheimer Straße eine neue Siedlung zu erbauen. Unter den Nationalsozialisten wurde dann der bereits beschlossene und begonnene Bau der Siedlungshäuser von Arbeitern des Reichsarbeitsdienstes fortgeführt und fertiggestellt.Das historische Foto zeigt die Bauarbeiten in der Siegfriedstraße mit Blickrichtung Schwanheimer Straße. Dort, wo heute die Hochhäuser der Taunusanlage stehen, erkennt man auf der Aufnahme aus dem Jahr 1934 die Bensheimer Tonwerke mit ihrem hohen Schornstein. Das andere Historische Bild zeigt die festlich geschmückte Straße bei Eigentumsübergabe der ersten Häuser 1938. (Text: Thomas Neu, 28.12.2022; alte Bilder: Sammlung Walter Geymeier; neue Bilder: Thomas Neu, 2022)
  • 2022
Die im Jahre 1913 abgestempelte Postkarte zeigt die Metzgerei Zehnbauer in der Hauptstraße 86. Der Besitzer Johann Adam Zehnbauer hat sich für den Fotografen in die Tür seines Hauses gestellt. Werbewirksam wurde im Schaufenster Wurst an einer Stange drapiert. Darunter erkennt man als lustige Werbefigur jener Zeit einen Reiter, der nicht auf einem Pferd, sondern auf einem Schwein sitzt.Bereits im Jahre 1878 wurde in dem Haus ein Metzgerladen mit Schlachthaus errichtet. Im Jahre 1907 ging das Anwesen dann an Johann Adam Zehnbauer, der es schon zwei Jahre später an seinen Sohn Johann Adam II weitergab. Im Jahre 1956 erfolgte ein Umbau des Ladengeschäftes. Ab 1958 bis 1978 wurde die Metzgerei von Friedrich Peter Zehnbauer und seiner Ehefrau Therese weitergeführt. Bis zum Abriss und Neubau hatten noch andere Geschäfte ihren Sitz in dem Gebäude. (Text: Thomas Neu, 21. Dezember 2022; altes Bild: Postkarte, Sammlung Rainer Kühnreich; neues Bild: Thomas Neu)
Der Bildvergleich in unserer Serie führt in die Wormser Straße in Bensheim. Da auf der historischen Aufnahme das nach den Plänen des Architekten Heinrich Metzendorf gebaute Doppelhaus Wormser Straße 41/43 noch fehlt, muss die Ansicht von einem uns unbekannten Fotografen vor dem Jahre 1911 fotografiert worden sein. Eine weitere Eingrenzung des Entstehungsdatums dürften die Fahnen an den Häusern im Bildhintergrund erlauben: Ab dem Jahre 1905 feierte man im neuen Stadtviertel hinter der Bahnlinie im Westen Bensheims zwischen Damm-, Frenay- und Wormser Straße eine eigene Kerb. Das Viertel wurde im Volksmund Port Arthur genannt. Im Bergsträßer Anzeiger kann man im August 1905 eine Werbeanzeige für die „Port-Arthur-Kerb“ finden. Ein großer Festzug wird für Sonntag den 17. August angekündigt, außerdem erwartete die Gäste ein Tanzvergnügen. Wie später beim Winzerfest gab es damals im Bensheimer Westen bereits ein Volksfest mit Karussell, Schiffschaukel und Schießbuden. Auch mit bayerischem Bier wurde für die Kerb geworben. Es könnte also sein, dass sich der Junge links auf dem alten Schwarzweißbild den Hut für die Kerb aufgezogen hat, irgendwann zwischen 1905 und 1911. (Text: Thomas Neu, 14.12.2022; altes Bild: Stadtarchiv Bensheim; neues Bild: Thomas Neu)
Eine Ansicht aus dem Jahr 1910 aus der Darmstädter Straße in Bensheim in Höhe der Michaelskirche. Beim Anblick des früheren Gebäudes rechts mit seinen nach außen klappbaren Fensterläden fühlt man sich fast nach Italien versetzt. Von dem mediterranen Flair ist auf dem aktuellen Foto nichts mehr zu spüren. Umbauten und Abrisse auf beiden Seiten der Kirche haben das Bild des Straßenzuges verändert. Viele ältere Bensheimer können sich sicher noch an den Kiosk erinnern, dessen Vorgänger auch schon auf dem alten Foto zu erkennen ist. (Text: Thomas Neu, 2.11.2022; altes Bild: Postkarte von 1910, Sammlung Fritz Scheid; neues Bild: Thomas Neu)
Entlang der Robert-Bosch-Straße in Bensheim gab es 1980 noch eine große Freifläche. Die historische Aufnahme aus dem Jahre 1980 zeigt – aus luftiger Höhe – auf dem Feld auf der linken Bildseite ein Bauschild mit der Beschriftung „Hier baut Bata“.
Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Schuherstellers wurde von den japanischen Architektenteam Moriyama und Teshima entworfen. Am rechten Bildrand ist ein Teil des Schildes eines Autohauses zu erkennen, das noch immer dort angesiedelt ist. Heute hat sich das Gewerbegebiet weiter in den Westen ausgeweitet.
Nach der Besiedlung der Robert-Bosch-Straße folgten die Gewerbegebiete Stubenwald I und II. Der Grüngürtel zwischen Bensheim und Lorsch wurde dadurch in den vergangenen über 40 Jahren immer kleiner. (Text: Thomas neu, 28.9.2022; altes Bild von 1980, Quelle: Stadtarchiv Bensheim; neues Bild: Thomas Neu)
Als die Aufnahme im Jahr 1959 entstand, war das neue „Rewe“-Reklameschild von einer Firma Schotte angebracht worden, wie der im Stadtarchiv erhaltenen Korrespondenz zu entnehmen ist. Die Adresse dieses „Tante-Emma-Ladens“ von Elisabeth Lenhart lautete damals Schwanheimer Straße 2.
Nachdem der Winkelbach durch Umbaumaßnahmen ab 1970 in den Untergrund verschwand, ist der Teil der Schwanheimer Straße östlich der Bahnlinie ab 1971 im Adressbuch unter dem Namen „Am Rinnentor“ verzeichnet. Das erklärt, warum westlich der Bahnlinie die Schwanheimer Straße auf der gleichen Straßenseite mit der Hausnummer 24 beginnt.
Für heutige Versorgungsverhältnisse in der Bensheimer Innenstadt ist es fast schon ein Traum, dass sich seinerzeit im selben Gebäude wie der kleine Rewe-Markt noch die Metzgerei Krug befand. Der Vorsitzende des Museumsvereins, Klaus Jöckel, erinnert sich, dass der Getränkehandel Scheppergerdes ebenfalls in dieser Zeit unter dieser Adresse zu finden war – wahrscheinlich auf der Rückseite des Gebäudes. Später zog Scheppergerdes in die Frenaystraße 36. (Text: Thomas Neu, 14.9.2022; altes Bild: 1959, Quelle: Stadtarchiv Bensheim; neues Bild: Thomas Neu)
Spätestens in der vierten Klasse lernen Bensheimer Schüler im Unterricht die verschiedenen Adelshöfe der Innenstadt kennen. Einer dieser Adelshöfe ist der Dalberger Hof, der wahrscheinlich im Jahre 1586/87 zusammen mit dem in das Gebäude integrierten Stadtmauerturm erbaut wurde. Die dem Gebäude seinen Namen gebende Familie Dalberg war seit dem 15. Jahrhundert in Bensheim begütert.
Weniger bekannt ist, dass am 12. April 1852 der erste evangelische Gottesdienst in Bensheim im Dalberger Hof stattfand und im Jahre 1858 eine evangelische Schule eingerichtet wurde. Es hatte zwar nach der Reformation 80 Jahre lang evangelisches Leben in Bensheim gegeben, dann erfolgte jedoch die Rekatholisierung. Erst im Jahre 1863 konnte die Michaelskirche als erste evangelische Kirche im Stadtgebiet eingeweiht werden.
Auffallend auf dem historischen Bild ist die große Toreinfahrt. Im Jahre 1867 hatte man für den Bau des Tores die Stadtmauer niedergelegt. Das gleiche Schicksal hatte hundert Jahre später die Toreinfahrt, die man für den Bau des Bürgerhauses abriss.
Das historische Foto aus dem Jahre 1961 verdanken wir dem Bensheimer Fotograf Wilhelm Schermer. Die gehissten Fahnen vor dem Tor lassen darauf schließen, dass es kurz vor oder während des Winzerfestes aufgenommen wurde. (Text: Thomas Neu, 31.8.2022; altes Bild: Wilhelm Schermer, 1961; neues Bild: Thomas Neu, 2022)
Der Bildvergleich führt in die Zeller Straße in Bensheim und erinnert an ein Stück Stadtgeschichte. Gemeint ist damit nicht das Gebäude an sich, sondern das, was mit dem Haus an der Ecke zur Hasengasse einherging. Das historische Bild entstand kurz vor dem Abriss des Gebäudes im Jahre 2019.
Noch kann man den Namen Schulz über der Markise des Ladens lesen, wo einst die Leuchtreklame mit den Namen hing (siehe kleines Foto). Kaum ein Bensheimer, der nicht Kindheitserinnerungen an die Bäckerei Schulz und den Tante-Emma-Laden hatte. „Die Nussecken waren legendär, die Laugenbrezeln zählten für viele zu den besten in der Stadt. Als zum 31. Dezember 2015 die Bäckerei Schulz in der Zeller Straße den Betrieb einstellte, war die Betroffenheit groß“, konnte man damals in einem Artikel der lokalen Zeitung lesen. Da aber die Kinder von Karl Schulz, der in der fünften Generation die Bäckerei führte, längst in anderen Berufen erfolgreich waren, wurde das Geschäft aus Altersgründen geschlossen und das Gebäude verkauft.
Gründer war im Jahre 1879 Johann Schulz gewesen, der nach einer neunjährigen Wanderschaft als Bäckergeselle – die ihn sogar bis nach Sankt Petersburg führte – zurück in der Heimat den Laden in der Zeller Straße eröffnete.
Die Bäckerei und der dazugehörige Tante-Emma-Laden waren für die Menschen in der Stadt nicht nur ein Ort, wo man Brot, Brötchen und Kuchen kaufte oder auch Wurst, Käse und Milchwaren. Er war Treffpunkt, Ort für Schwätzchen, Tratsch und Klatsch und gerade für ältere Bewohner des Viertels ein Stück des sozialen Lebens und ein Gegenpol zu den großen anonymen Discountern. (Text: Thomas Neu, 3.8.2022; Bilder: Thomas Neu)
Unser heutiger Bildvergleich zeigt zwei städtebauliche Phasen in der Wormser Straße in Bensheim, die unterschiedlicher nicht sein könnten: auf der einen Seite das idyllisch wirkende Gasthaus „Zum Rosengarten“ und auf der anderen Seite das postmoderne Gebäude, das in den 1990er Jahren durch den Um- und Anbau des ehemaligen Raiffeisen-Silos verwirklicht wurde. Da war die „Restauration zum Rosengarten“ schon lange Geschichte.
Die historische Postkarte wurde 1910 versendet. Zu dieser Zeit war der Besitzer Johann August Friessinger. Vielleicht ist er der Mann, der vorne im Bild mit einem Vollbart zu erkennen ist. In einer Zeit, in der es noch etwas ganz Besonderes war, fotografiert zu werden, versammelten sich oft alle Familienmitglieder und vielleicht auch noch Nachbarn und Gäste vor dem Haus und in seinen Fenstern.
Später, in den 1930er Jahren, betrieb die Familie Zehnbauer in dem Gebäude ein Gasthaus und auch eine Metzgerei. Die Familie Zehnbauer noch betreibt immer eine Metzgerei, nämlich seit 1956 in Karlsruhe. Auf der Homepage des Betriebes ist auch ein Bild des früheren Gebäudes in der Wormser Straße in Bensheim sehen. Man ist sichtbar stolz auf diese Wurzeln an der Bergstraße. (Text: Thomas Neu, 20.7.2022; altes Bild: um 1910, Sammlung Hans-Reinhard Kühnreich/Ferdinand Woißyk; neues Bild: Thomas Neu)
  • Kolpinghaus 1930er Jahre (Foto: Friedrich Scheid)
Die alte Postkarte zeigt das Bensheimer Kolpinghaus. „Einweihung Ostern 1932“ kann man auf der Rückseite der Karte lesen. Das Kolpinghaus an der Ecke Neckarstraße zur Promenadenstraße wurde im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts errichtet und beherbergte ab 1892 das Gasthaus „Zum deutschen Kaiser“. Und als die Bilder laufen lernten war im Gebäude das „Hindenburgkino“, Bensheims wohl erstes Lichtspielhaus, untergebracht. Im Jahre 1931 erwarb die Kolpingfamilie das Gebäude. Seitdem ist es ein Ort der Geselligkeit, der politischen Debatten, der Fastnacht und der Familienfeiern, mal Wahllokal, mal Theaterbühne und dann wieder Tagungsort und wichtiger Raum für Veranstaltungen jeglicher Art.
Wer das historische Bild mit dem aktuellen vergleicht, wird wenig Unterschiede feststellen. Da, wo heute in einer Nische eine Josefsfigur steht, kann man 1932 noch einen kleinen Balkon erkennen. Als städtebaulich und stadtgeschichtlich relevantes Gebäude ist das Kolpinghaus von denkmalpflegerischem Interesse. (Text: Thomas Neu, 6.7.2022)
Bensheim in den 1950er Jahren: Das waren keine schön herausgeputzten Fachwerkhäuser, sondern oftmals ärmliche Häuser voller Tristesse, wie hier im Unteren Grabengässchen dokumentiert.
Nichtsdestotrotz hätte man viele dieser Gebäude sicher retten können, aber der Zeitgeist war ein anderer, und so wurden viele Häuser im Zuge der städtischen Umgestaltung in den 1970er und 1980er Jahren abgerissen. (Text: Thomas Neu, 29.6.2022; altes Bild: Helmut Wahl; neues Bild: Thomas Neu)
  • 2010
Aus der Bensheimer Papierfabrik Wilhelm Euler wird ein Stadtviertel: Die Fabrik hat über Jahrzehnte die Bebauung südlich des Bensheimer Friedhofs Mitte dominiert. Ihr Besitzer Wilhelm Euler ist zudem als großer Mäzen, Stadtrat und Initiator zahlreicher Einrichtungen eng mit der Bensheimer Geschichte Anfang des 20. Jahrhunderts verknüpft.
Bensheim ohne die Papierfabrik Euler – eigentlich war dies kaum vorstellbar, bis im Jahre 2007 das Ende für das Traditionsunternehmen kam. 2006 hatten die Mitarbeiter noch in einem großen Demonstrationszug durch die Innenstadt für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze gekämpft. Als die Bilder der Fabrik von 2010 gemacht wurden, war dies längst ein verlassener Ort und für den Abriss bestimmt.
Mittlerweile ist dort ein neues Stadtviertel entstanden. An die Vergangenheit erinnert nur eine Mauer aus Ziegelsteinen mit dem Schriftzug „W. Euler Papierfabrik“, die aus Gründen des Denkmalschutzes in einen der Neubauten integriert wurde. (Text: Thomas Neu, 1.6.2022; Quelle alte Bilder: Bergsträßer Anzeiger; neue Bilder: Thomas Neu, 2022)
Hier geht es um einen verlorenen Gebäudekomplex am Bensheimer Rinnentor: die Wambolterhofschule mit der links im Bild gut sichtbaren Turnhalle.
Aus heutiger Sicht könnte vor allem der Abriss der Turnhalle ein städtebaulicher Fehler gewesen sein. Der wunderschöne Backsteinbau aus dem Jahre 1895 stand zwar nicht unter Denkmalschutz, aber im Gegensatz zu heutigen Zweckbauten hatte die Turnhalle aufwendige Fenstergewände, Säulen, Türmchen und Verzierungen auf den Außenfassaden. So wie die HEAG-Halle in der Darmstädter Innenstadt hätte die Turnhalle vielleicht als Kulturzentrum dienen können.
Der Zeitgeist war in den siebziger Jahren ein anderer – und so wurde zunächst die Schule abgerissen und die Fläche als Parkplatz genutzt, bevor im Jahr 1978 auch das Ende für die Turnhalle kam. (Text: Thomas Neu, 16.2.2022; altes Foto: Sammlung Rudolf Schmitt; neues Foto: Thomas Neu, 2022)
An den prägnanten Stellen der Kreuzung der Rodensteinstraße mit der Promenadenstraße und der Fehlheimer Straße stehen Gebäude, die man – um es vorsichtig auszudrücken – sicher in keinem Architekturführer über das 21. Jahrhundert finden wird.
Unser Augenmerk richten wir heute auf das Eckgebäude zur Promenadenstraße. An seiner Stelle stand bis 1981 der Gebäudekomplex der ehemaligen Zigarrenfabrik Auler. Im Jahre 1876 hatte der aus Mainz stammende Kaufmann Luis Auler diese Fabrik eröffnet. Zur erwähnen wäre in diesem Zusammenhang noch eine zweite Fabrik, die Auler in Lorsch im „Palais von Hausen“ betrieb. Zunächst gut florierend, teilten sie beide nach dem Ersten Weltkrieg das Schicksal anderer Tabakfabriken der Region und mussten schließen. Die Stadt Bensheim erwarb im Jahre 1921 die Bensheimer Zigarrenfabrik und dort, wo früher Tabak verarbeitet wurde, entstanden zehn Wohnungen.
Ab dem Jahr 1952 gehörte das Anwesen der Firma Peter Kuhn. Im Eckhaus befand sich ab circa 1960 die Gaststätte „Stadt Bensheim“ von Heinrich Hechler. (Text: Thomas Neu, 26.1.2022; altes Foto: Stadtarchiv Bensheim; neues Foto: Thomas Neu)
Das Gebäude wurde im Jahre 1904 nach Plänen von Heinrich Metzendorf für seinen ersten Besitzer, den Maler Hermann Bahner, erbaut. Und wer das Haus mit anderen Villen vergleicht, die Heinrich Metzendorf an der Bergstraße geplant hat, dem werden in der Roonstraße 5 in Bensheim sofort die beiden ungewöhnlichen Zwerchhausaufbauten ins Auge fallen – architektonische Details die dafür Sorge trugen, dass dem Maler genug Tageslicht in seinem Atelier zur Verfügung stand.
Der Maler Hermann Bahner wurde 1867 in Kaiserswerth als Sohn des Silberwarenfabrikanten Anton Bahner geboren. Nach seiner Ausbildung zum Apotheker widmete er sich ganz der Malerei und studierte an der Kunstakademie Düsseldorf – ein Weg, der sicher auch durch die Kunstleidenschaft seines Vaters mitbestimmt war, der Kunstsammler und Mäzen der Düsseldorfer Künstlerkolonie war.
Sein berühmtestes Bild wurde leider im Zweiten Weltkrieg zerstört: Im Jahre 1903 erhielt er von der Stadt Bensheim den Auftrag, ein Ölgemälde der Stadtansicht nach dem bekannten Merianstich von zirka 1640 zu malen. Das großformatige Bild hing im Sitzungssaal des alten Bensheimer Rathauses am Marktplatz. Bei der Bombardierung der Stadt am 26. März 1945 verbrannte auch das Gemälde. Da war Hermann Bahner allerdings schon sieben Jahre tot: Er starb 1938 in Langen. Aus dem Haus in der Roonstraße war er bereits 1910 wieder ausgezogen.  (Text: Thomas Neu, 19.1.2022; Quelle altes Bild: Stadtarchiv Bensheim; neues Bild: Thomas Neu)
Der Bildvergleich könnte manchen älteren Bensheimern die Aufnahme von 1962 noch bekannt sein. Zu sehen ist das Storchennest. Standort der Fotografen war jeweils die Zeller Straße an der Einmündung zur Hasengasse.
Wo heute ein Wohn- und Geschäftshaus steht, befand sich bis in die 1990er Jahre das „Bürgerliche Brauhaus“. In der Speisegaststätte hatten über Jahrzehnte viele Vereine ihr Zuhause. Die Brauerei hatte eine lange Geschichte und wurde bereits im 17. Jahrhundert als Brauhaus vor dem Heppenheimer Tor erwähnt. Zur Brauerei gehörte auch der Bierkeller in der Grieselstraße. Mit dem Bierbrauen war aber schon um 1920 Schluss. Bald siedelten sich auf dem Brauereischornstein Störche an und prägten fortan das Stadtbild mit. Die Bensheimer Feuerwehr half des Öfteren mit ihrer Drehleiter beim Herrichten des Nestes, wie die Aufnahme von 1962 zeigt.
Aus dem Archiv der Freiwilligen Feuerwehr Bensheim-Mitte ist uns folgende Geschichte überliefert: An einem herrlichen Frühlingsmorgen im Jahre 1957 kam es beim Storchennest an der Zeller Straße zu einem kleinen Menschenauflauf. Der bereits überfällige Adebar war gerade aus seinem Winterquartier zurückgekehrt, aber irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Er streckte seinen langen Hals gen Norden und zuckte rhythmisch mit dem Kopf nach unten. Sein rechtes dünnes, rotes Stelzenbein schwebte immer einige Sekunden lang in der Luft, dann stieß er es krampfartig nach unten.
Die Zuschauer wurden immer aufgeregter, die Kommentare immer abenteuerlicher: „Der hat sich in Afrika Malaria eingehandelt“, oder „Vielleicht kriegt er ein Kind“, „Nein, der hat einen zu dicken Frosch verschluckt und bekommt keine Luft“, bis zu „Der ist nervös, weil in seinem Nest Ratten sind“. Schließlich holte man die Feuerwehr, und Kommandant Karl Roth fuhr mit zwei Kollegen die Kraftfahrdrehleiter bis zum Nest aus. Als Roth am Nest angekommen war, wurde Adebar plötzlich ganz ruhig, kein Zucken, kein Flattern. Unten angekommen, entpuppte sich der eigenartige Storch als ein naturgetreu nachgemachter Klapperstorch, der sonst einem Baby-Ausstattungsgeschäft als Reklamefigur dient. Von Karl Roth und einigen Feuerwehrkameraden war er in der Nacht zum 1. April auf dem Storchennest montiert worden und hatte so manchen Bensheimer in den April geschickt.
Seit Ende der 1960er Jahre sind die Störche auf dem Schornstein ausgeblieben. Es dauerte Jahrzehnte, bis sich die Vögel wieder im Bensheimer Stadtgebiet ansiedelten.  (Text: Thomas Neu, 7.7.2021; altes Bild: 1962; neues Bild: Thomas Neu)
Gut kann man den Schriftzug „Metzgerei Georg Helfert“ auf dem historischen Foto lesen. Der 1876 in Unter-Hambach geborene Georg Helfert eröffnete um 1900 seine Metzgerei in der Sandstraße 1 im Bensheimer Stadtviertel Griesel. Sie galt als modernste Metzgerei in Bensheim, da sie bereits über ein eigenes, mit dicken Korkplatten gedämmtes Kühlhaus in einem Anbau oberhalb der Hofeinfahrt verfügte. Wenn das Eis, das man in den Wintermonaten aus den Tongruben holte, geschmolzen war, wurde mit Stangeneis der Firma Guntrum gekühlt. Ab dem Jahr 1928 konnte Georg Helfert mit einer elektrischen Kühlanlage für seine Metzgerei werben.
Weniger fortschrittlich war das genutzte Transportmittel für Lieferung der Wurst- und Fleischwaren: Auf dem kleinen Bild sieht man Georg Helfert und seinen Gesellen Jakob Sauter mit einem Leiterwagen, der von einem großen Hund gezogen wurde.

Metzgermeister Georg Helfert mit Gesellen Jakob Sauter, 1920er Jahre (Quelle: Sammlung Rudolf Schmitt)

Im Jahre 1929 verstarb Georg Helfert. Noch vier Jahre lang führten seine Ehefrau und seine Schwester das Geschäft weiter, bis es 1933 schließen musste. Anschließend war bis 1949 der Schuhmacher August Günther Mieter in der Sandstraße, bevor dort die Firma Krieg & Gellner ihre orthopädische Werkstatt samt Verkaufsladen eröffnete. (Text: Thomas Neu, 30.6.2021)

  • Sandstraße 1, 2021 (Bild: Thomas Neu)
  • Bahnhofstrasse 2021 (Foto: Thomas Neu)
Unser Bildvergleich führt uns in die Bensheimer Bahnhofstraße der 1970er Jahre. In eine Zeit – für heutige Jugendliche schwer vorstellbar –, in der man im Fernsehen angezeigt bekam, wenn eine Sendung in Farbe ausgestrahlt wurde. Beim Blick auf die historische Postkarte, die im Jahre 1976 versendet wurde, fällt sofort die Dominanz der Farbe Rot auf. Man könnte fast vermuten, der uns unbekannte Fotograf hätte absichtlich zwei rote Pkw in der Straße geparkt, um die Werbung für Agfa Color im linken Bildteil noch zu verstärken. Damals war dieser Teil der Bahnhofsstraße noch nicht verkehrsberuhigt, sondern eine ganz reguläre Straße. Sicher können ältere Bensheimer einige Geschäfte ihrer Kindheit auf der Postkarte wiederentdecken, die längst Geschichte sind. (Text: Thomas Neu, 19.5.2021)
Hier zeigt das aktuelle Foto ein wunderschönes historisches Gebäude, das noch immer existiert. Es steht am Übergang des Ritterplatzes in die Darmstädter Straße. Die historische Aufnahme wiederum zeigt dessen noch historischeren Vorgängerbau. Wir verdanken das alte Foto und die interessanten Informationen zur Grundsteinlegung für den Nachfolgebau dem Bensheimer Stadtarchiv.
Demnach war das Gasthaus „Zum weissen Ross“ gegenüber dem Rodensteiner Hof eines der ältesten Bensheimer Gasthäuser. Zur Grundsteinlegung für den Neubau kann man in der Urkunde folgendes lesen: „Am 22 Oktober des Jahres 1898 wurde der Grundstein zu diesem Hause gelegt. Dasselbe kommt an Stelle des alten zu stehen, welches wegen großer Altersschwäche in einem solchen baufälligen Zustande war, dass es abgebrochen werden musste. Bei diesem Abbruch speziell beim Ausgraben der Fundamente wurden mehrere menschliche Skelette zu Tage gefördert, die aus den Jahren 1813 stammen sollen. Diese Gerippe, die Wahrzeichen einer bewegten Zeit und von verstorbenen russischen u. französischen Kriegern (…), wurden wieder dem Schoße der Erde übergeben. Ein Bild des alten Rosses in welchem der berüchtigte Johann Bückler genannt Schinderhannes zeitweilig sich aufhielt wird hier beigelegt; außerdem eine Flasche besten Kirchberger wie er am Abhang des Kirchberges an der gesegneten Bergstraße wächst.“ (Text: Thomas Neu, 12.5.2021; altes Bild: Stadtarchiv Bensheim; neues Bild: Thomas Neu)
Nur zu oft wurden in Bensheim prägnante Gebäude abgerissen und durch gesichtslose Neubauten ersetzt. Hier ist dies allerdings genau andersherum. Wer den baulichen Zustand des Wambolter Hofes in Bensheim in der Fotografie von 1975 betrachtet, der wundert sich eher, dass dieses Gebäude mit großem Aufwand saniert wurde und nicht – wie so viele andere in diesem Bereich – der Abrissbirne zum Opfer fiel. Ein Glücksfall für den Erhalt des Wambolter Hofes war sicher der Hessentag im Jahre 1976, als sich Bensheim den Gästen von seiner schönsten Seite präsentieren wollte. Und was war da besser geeignet als frisch herausgeputzte Fachwerkgebäude? Unser Bild des unsanierten Gebäudes verdanken wir Christina Glaubach, deren Familie mit ihrer Konditorei und dem dazugehörigen Café im Jahre 1976 als einer der ersten Mieter das neue Schmuckstück der Innenstadt bezog. Bis heute waren verschiedene Gastronomen im Wambolter Hof ansässig; außerdem befindet sich im Keller das PiPaPo-Theater. (Text: Thomas Neu, 17.3.2021; Altes Foto: 1975, Quelle: Christina Glaubach; eues Foto: Thomas Neu, 2019)
Unser Vergleich zeigt ein Haus in der Bensheimer Neckarstraße an der Ecke zur Mathildenstraße. Zwar sind mittlerweile die Fensterläden verschwunden und ein Fenster im Erdgeschoss wurde zugemauert, aber sonst hat sich das Gebäude in den vergangenen über einhundert Jahren kaum verändert.
Das Bild aus dem Jahre 1914 zeigt die Familie von Wilhelm Hagenmeyer mit den drei Kindern vor ihrem Kolonialwarengeschäft. Ohne an dieser Stelle Werbung machen zu wollen, lassen sich an der Hauswand und am Schaufenster Markennamen erkennen, die heute noch in jedem Supermarkt angeboten werden.
Vor der Familie Hagenmeyer war August Schäfer Inhaber des Geschäftes. Rechts neben dem Kolonialwarengeschäft können wir auf dem historischen Bild die Bäckerei Mohr entdecken. Vorher hatte Ida Göbel ihre Bäckerei in diesem Haus. Vielen Bensheimern dürfte noch die Bäckerei Sauerbrey in Erinnerung sein, die später viele Jahre ihr Geschäft hier hatte und im hinteren Bereich ihre Backstube. Heute werden im ehemaligen Kolonialwarengeschäft kosmetische Behandlungen durchgeführt und in der ehemaligen Bäckerei wird Pizza gebacken. (Text: Thomas Neu, 3.3.2021)
  • 2021 (Thomas Neu)
Die historische Aufnahme, die das Bensheimer Heilig-Geist-Hospital zeigt, stammt aus dem Jahre 1930. Wer heute das Bensheimer Hospital über die Rodensteinstraße betritt, wird diese alte Villa zunächst vergeblich suchen und vielleicht vermuten, das Gebäude sei der Abrissbirne für den Neubau zum Opfer gefallen. Wenn man allerdings über die Mathildenstraße am ehemaligen Haupteingang vorbei die Hospitalkirche besucht, dann wird man das Gebäude finden, auch wenn es heute durch spätere Anbauten nur wenig von seinem damaligen Charme erhalten konnte. Auffallend am alten Foto ist der schon damals behindertengerechte Eingang mit einer Rampe für Rollstuhlfahrer. (Text: Thomas Neu, 3.2.2021)
  • Heilig-Geist-Hospital, 2021 (Bild: Thomas Neu)
Das Bild zeigt die (unbefestigte) Rohrheimer Straße in Schwanheim in den 1960er Jahren – von Asphalt konnte damals noch nicht die Rede sein. Der Bildvergleich zeigt links im Vordergrund das Wohnhaus von Werner Pfeifer – ein Gebäude, das sich in seiner Größe und Bauweise deutlich von den umliegenden Häusern abhebt. Als Fotograf der historischen Ansicht wird Helmut Wahl genannt. Er war ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf, der sich in Bensheim einen Namen machte und auch Mitbegründer des Fotoclubs Bensheim war. (Text: Thomas Neu, 6.1.2021; Quelle altes Bild: Stadtarchiv Bensheim; neues Bild: Thomas Neu)
Unser heutiger Bildvergleich widmet sich nun tatsächlich einem Gebäude und einem Platz in Schwanheim an der Ecke Schulzengasse/Rohrheimer Straße. Das historische Bild aus dem Jahre 1910 stammt aus dem Nachlass des Schwanheimer Heimatforschers Werner Pfeifer und wurde uns vom Stadtarchiv Bensheim zur Verfügung gestellt. Das Fachwerkhaus wurde im Jahre 1726 von David Schwan und seiner Ehefrau Merle gebaut. Später ging es in den Besitz von Ludwig Guthorn über, der es wiederum an Johannes Kaffenberger verkaufte. Als „Haus Kaffenberger“ kannte man es in Schwanheim. Mit seiner Ehefrau Maria betrieb Johannes Kaffenberger ein kleines Kolonialwarengeschäft und eine Schneiderei.
Auf dem historischen Foto ist Johannes Kaffenberger mit seiner Tochter Elisabeth im Ladeneingang zu sehen. Der kleine Junge ist Karl Ahlheim und das Mädchen Erna Roth. (Thomas Neu, 20.01.2021, altes Bild: Stadtarchiv Bensheim, Sammlung Werner Pfeifer, neues Bild: Thomas Neu)

  • Marktplatz 1905
    Marktplatz 1905

  • Ritterplatz 1960

  • Kath. Kirche St Georg 1935
    Kath. Kirche St Georg 1935

  • Mittelbrücke 1950
    Mittelbrücke 1950

  • Bahnhofsplatz 1931
    Bahnhofsplatz 1931

  • Rinnentor um 1870

  • Beauner Platz 1935

  • Rodensteinerhof 1910
    Rodensteinerhof 1910

  • Bismarckplatz, Haus Metzendorf 1909
    Bismarckplatz, Haus Metzendorf 1909

  • Hauptstraße 1930
    Hauptstraße 1930

  • Hospitalplatz um 1950